Katarakt – Dankbar oder Wütend?

Jetzt war es soweit. Die erste OP war am 30.09.19. Natürlich als Myastheniegeschädigter stationär in der Herzog Carl Theodor Augenklinik in München. Sehr nettes Team und auch ein ansprechendes Haus. Aufnahme am 29.09.19 am Nachmittag. Zur Wiesnzeit. Wenn man da mit dem Zug anreist ist es ein bißchen komplizierter am Hauptbahnhof.

Meine OP war für kurz vor Mittag (ich hasse diese Zeitangaben) angesetzt. Mein Operateur war Prof. Dr. Koss. Gilt als einer der Besten, was Kataraktoperationen angeht. Muß da ja kein Risiko eingehen. Und wenn man sich mal so richtig durchgesetzt hat, was die Besonderheiten der Myasthenie betrifft, klappt es auch. Es wurde auf ALLE meine besonderen Bedürfnisse eingegangen. Auch bei der Sedierung. Nur ein leichtes Opiad. So leicht, dass ich wirklich jedes Wort und jede Bewegung am Auge mitgekriegt hab. Komisches Gefühl. Aber nicht wirklich schmerzhaft.

Am nächsten Tag dann die Spannung vor Entfernen der Augenbinde, wie es wohl mit der neuen Linse ist.

Erster Schreck, nachdem die Hartschale weg war: Ich seh nur verschwommen. Gott sei Dank war es nur noch ein Pflaster drüber. Und dann die Überraschung

ICH SEH ALLES KLAR UND DEUTLICH

Was für ein tolles Gefühl. Sehkraft nach einem Tag schon 80 %. Nach Zwei 100 %. Und der Schnitt schon fast geschlossen. Besser hätte es nicht sein können.

Aber jetzt zum zweiten Teil der Überschrift.

Wütend: Ja. Der graue Star nach dieser Zeit und Menge von Cortison war nicht überraschen. Aber nachdem ich unter der Cushing-Schwelle war, habe ich nicht mehr damit gerechnet. Auf den letzten Drücker sozusagen. Dadurch musste ich zwei Monate auf Auto fahren verzichten. Freiwillig. Hab einfach nicht mehr genug wahrgenommen.

Dankbar: Jetzt ja. Nachdem alles so gut geklappt hat genieße ich zum ersten Mal nach 44 Jahren in der Frühe wach zu werden und nicht mehr nach der Brille greifen zu müssen. Als ich es musste, hat es mich nicht gestört. Aber so ist schöner.

Nachteile: Ja, auch. Ich brauch eben IMMER eine Lesebrille. Mir hat man zwar eine torische Linse eingesetzt, aber die gleicht nur die Hornhautkrümmung aus. Eine bifokale Linse wollte ich nicht. Kann mir das Sehen damit einfach nicht vorstellen.

Fazit: Ohne Grund die OP nein. Aber jetzt, da ich musste, finde ich es ganz gut.

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